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 Tiere raus aus dem Kochbuch |
Kontra: Grillwurst und Schweinshaxe - Weihnachtsgans und Osterlamm ...
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Von Pfarrer Dr. Ulrich Seidel – 1. Vorsitzender von „Aktion Kirche und Tiere (AKUT) e. V.
Pythagoras, Leonardo da Vinci, Tolstoi, Gandhi, Shaw, Paul McCartney, Brigitte Bardot, Nina Hagen ... die Spur der Vegetarier durch die Geschichte ist lang. Die Gründe, warum sie Fleisch nicht mehr essen wollen, sind verschieden. Aber ganz oben steht die Abscheu, andere Lebewesen zu töten, um sie sich einzuverleiben. »Fleischessen ist die ethische Abwägung zwischen Lebensvernichtung und Gaumenkitzel«, so ein Philosoph der Gegenwart, und George Bernhard Shaw hat sicher Recht: »Wenn Schlachthöfe gläserne Wände hätten, würde die Zahl der Vegetarier sprunghaft wachsen.« Fleischessen als »normale« Gewohnheit ist nur möglich durch konsequentes Wegschauen und würde sich sofort erledigen, wenn wir die Tiere eigenhändig töten müssten. Mir jedenfalls sind die toten Kaninchenaugen der Sonntagsbraten meiner Kindheit noch in grausiger Erinnerung. Sie haben meine spätere Entscheidung fürs »gewaltfreie Kochen« gefördert. »Tiere sind zum Essen da« – das hat man jahrhundertelang unerschütterlich geglaubt, denn so hat Gott die Welt eingerichtet. Der Mensch, Krone der Schöpfung – für ihn hat Gott alles gemacht, alles hat ihm zu dienen und ist unter seine Füße getan (Psalm 8,7). Dennoch weiß die Bibel sehr wohl, dass Tiere nicht selbstverständlich zum Essen da sind. Zu den ersten Geboten, die Gott uns Menschen gibt, gehören die Nahrungsgebote. Wir Menschen sollen essen von den Pflanzen, die Samen und Frucht tragen (1. Mose 1,29), und von allen Bäumen des Weltengartens (1. Mose 2,16). Das ist die unübersehbare Fülle gesunder und nahrhafter Kost. Nicht Fleisch und Wurst, sondern Samen, Nüsse, Früchte und Gemüse (rund 4000 Kulturpflanzen) sind unsere Nahrungsgrundlage mit ihren großen Potenzialen an Nähr- und Aufbaustoffen. Da kann kein Fleisch mithalten. Inzwischen übersteigen die gesellschaftlichen Kosten zur Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten das, was wir in Deutschland für Nahrungsmittel überhaupt ausgeben: zu fett, zu eiweißreich, zu wenig Ballaststoffe. Die Hüften wachsen – zu viel der Fleischeslust ... Aber Gott hat doch nach der Sintflut erlaubt, Fleisch zu essen und die Gebote der Schöpfung durchgestrichen (1. Mose 9,3): »Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich’s euch alles gegeben.« Aber gerade dieser, vom christlichen Fleischesser genüsslich zitierte Satz, atmet viel schlechtes Gewissen der Menschen, denn Gott verbietet im nächsten Vers den Blutgenuss, weil darin das Leben ist. Er lässt uns wissen, dass wir im Tiertöten ein Tabu berühren und uns am Leben selbst versündigen. Das frühe Christentum hatte viele religiöse Vegetarier. Denn wenn Christus erschienen ist und unsterbliches Leben gebracht hat, hat er damit unsere Welt wieder mit ihren vorsintflutlichen Schöpfungsursprüngen verknüpft. Da hat Schlachten und Fleischessen keinen Platz mehr, so der Heilige Hieronymus. Jesus hat alles versöhnt, was im Himmel und auf Erden ist, und Frieden gemacht – die neue Schöpfung ist angebrochen (Kol. 1,20). Heute empfängt die vegetarische Schlemmerküche von außerhalb der Kirche ihre Impulse. Aber unsere Religion kann fundiert mitreden. Wir wissen, worum es geht, und fordern mit allen, die das Leben lieben: Tiere raus aus dem Kochbuch!
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