"Fastenzeit ohne Tierleid" 
Gedanken dazu von Pfarrer Dr. U. Seidel 

 " Und das nicht nur zur Fastenzeit"

Pythagoras, Leonardo, Einstein oder Nina Hagen, die Liste der Vegetarier ist lang. Der Hauptgrund, dem Fleische abzuschwören ist die Abscheu, andere Lebewesen zu töten, um sie sich einzuverleiben. »Fleischessen ist die ethische Abwägung zwischen Lebensvernichtung und Gaumenkitzel«, so Richard David Precht und George Bernhard fügt hinzu: »Wenn Schlachthöfe gläserne Wände hätten, würde die Zahl der Vegetarier sprunghaft wachsen.« Fleischessen als »normale« Gewohnheit ist nur möglich durch konsequentes Wegschauen und würde sich sofort erledigen, müssten wir die Tiere eigenhändig töten. Mir sind noch die toten Kaninchenaugen der Sonntagsbraten meiner Kindheit in grausiger Erinnerung. Sie haben meine spätere Entscheidung fürs »gewaltfreie Kochen« auf jeden Fall gefördert.

Zu den ersten Geboten, die Gott dem Menschen in der Schöpfungsgeschichte gibt, gehören die unblutigen Nahrungsgebote. Wir dürfen essen von Pflanzen, die Samen und Frucht tragen (1. Mose 1,29) und von allen Bäumen des Weltengartens (1. Mose 2,16). ). Das ist die unübersehbare Fülle gesunder und nahrhafter Kost. Nicht Fleisch und Wurst, sondern Samen, Nüsse, Früchte und Gemüse (rund 4000 Kulturpflanzen gibt es) sind unsere Nahrungsgrundlage mit ihren enormen Potenzialen an Nährstoffen. Da hält kein Fleisch mit. Inzwischen übersteigen die Kosten zur Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten das, was in Deutschland für Nahrungsmittel überhaupt ausgegeben wird: zu fett, zu eiweißreich, zu wenig Ballaststoffe. Die Hüften wachsen – zu viel der Fleischeslust...

Vom Elend der Tiere in der Industriemast, auf den Transporten und beim Sterben, wäre ebenso zu reden, wie von den Unmassen Sojafutters aus der Dritten Welt, die dort eine Spur des Hungers unter den Ärmsten hinterlassen. Herr, erbarme dich!

Christus, der Vollender, ist erschienen, unsere Welt wieder mit diesen Schöpfungsursprüngen zu verknüpfen. Er sendet seine Leute, das „Evangelium aller Kreatur“ zu bringen (Markus 16,10), da haben Töten und Fleischessen eigentlich keinen Platz mehr.

Die vegetarische Schlemmerküche hat sich verbreitet, vor allem außerhalb der Kirche, doch unser Glaube kann da mitreden. Wir fordern mit allen, die das Leben lieben: Tiere raus aus dem Kochbuch!

Und das nicht nur zur Fastenzeit…