Kirchentag für Mensch und Tier in Dortmund 2014

ein Bericht von Friedrich Laker und Dr. Seidel 

Viel Wirbel um den Kirchentag Mensch & Tier 2014 in Dortmund

Von Pfarrer Friedrich Laker, Ev. Lydia-Kirchengemeinde Dortmund

Nach dem nicht in allen Teilen geglückten ersten Kirchentag Mensch & Tier 2010 in Dortmund hat es nun vom 22.-24.8.2014 eine Neuauflage gegeben: ein im Vergleich kleiner und reger Kirchentag ausschließlich in und an der Pauluskirche in der Dortmunder Nordstadt. Citynah. Nicht weit entfernt vom Dortmunder Hauptbahnhof. Um es vorweg zu nehmen: die Besucherzahl ist weiterhin steigerungsfähig und dennoch waren die, die dabei waren, angetan von den wichtigen Anstößen, dem Engagement und der Atmosphäre.

Die Presse berichtete vielfältig und teils bundesweit im Vorfeld und nach der Veranstaltung. Auffällig war das - im Vergleich zu 2010 - sehr viel größere Interesse der kirchlichen Presse. So berichteten mindestens drei große Wochenzeitungen verschiedener Landeskirchen schon auf dem Titelblatt – teils ganzseitig! Die Nordkirche machte die „Liebe des Menschen zum Tier“ sogar zum Schwerpunktthema und verteilte Berichte, Interviews und Kommentare auf vier Seiten. Selbst die „taz“ berichtete ernsthaft und nicht mehr –wie noch in 2010- mit einer satirischen Glosse. Sicher gehört diese Presse-Aufmerksamkeit, gerade seitens der Kirchen, zum auffälligsten Merkmal und damit auch zum Erfolg des kleinen Dortmunder Kirchentages 2014. Er konnte offensichtlich wichtige Anstöße nach außen –aber eben auch in die Kirche hinein- geben. Das Angebot des Kirchentages selbst, der teils wieder -wie in 2010 - unter schlechtem Wetter litt, war zwar klein und überschaubar, aber voller Qualität. 270 Besucher beim Auftaktkonzert, 180 am Samstag und 120 am Sonntag nahmen viele wichtige Denkanstöße mit.

Eine große Vielfalt veganer Speisen wurde im Kirchgarten von jungen Engagierten aus der veganen Szene Dortmunds und Hagens an allen drei Tagen angeboten. Den Auftakt zum Kirchentag lieferte die Band EXTRABREIT mit einem Konzert in der Pauluskirche am Freitagabend, bei dem der Gitarrist Lars Larsson sich in einem Bühnen-Interview als Vegetarier bekannte, dem vor allem die Massentierhaltung stinkt. In zwei Vorträgen am Samstagnachmittag legten Pfarrer Dr. Ulrich Seidel und Eugen Drewermann den Finger in die Wunde des christlichen Abendlandes. Während allerdings Drewermann kein gutes Haar an der Bibel ließ („Der Bibel fehlt es an Respekt vor den Tieren“) begründete Seidel eine neue Tierethik des Menschen auch mit biblischen Zitaten und Aussagen u.a. Luthers und Albert Schweitzers. Etwas unglücklich war die kurzfristige Absage der ursprünglich geplanten Podiumsdiskussion des Dortmunder Tierschutzvereins, an dem u.a. Veterinärmediziner und Vertreter von „Neuland“-Fleisch teilnehmen sollten. „Neuland“ ist ein Label für Fleisch aus „artgerechter“ Tierhaltung. Gerade die „Neuland“-Vertreter seien durch die „aggressive“ Diskussion im Vorfeld des Kirchentages über die Frage der Ernährung auf dem Kirchentag abgeschreckt worden, so die Begründung des Mitveranstalters Tierschutzverein Dortmund. Sie wollten sich nicht mit „radikalen“ Veganern auseinandersetzen. An Stelle des geplanten Podiums saßen dann Aktive des Kirchentages, Ulrich Seidel und Vertreter der veganen Szene auf dem Podium. Hier entwickelte sich eine engagierte und wichtige Diskussion mit den Besuchern des Kirchentages. Am Sonntag ging es schließlich mit dem Gottesdienst für Mensch & Tier in der Pauluskirche weiter, an dem neben 120 Besuchern auch 22 Hunde, 1 Pferd und 2 Meerschweinchen teilnahmen. Der Kirchentag endete mit einer spannenden Performance mit chinesischem Kampfsport, Tuschemalerei und Meditation, bei der der chinesische Mondbär und die Tierschutzaktiven der „Animals Asia Foundation“ im Mittelpunkt standen.

Zwei wichtige Konsequenzen hat der Kirchentag Mensch & Tier 2014 für die austragende ev. Lydia-Gemeinde und die Mitveranstalter und Aktiven. Erstens: es wird weiter gehen! Für 2016 oder 2017 ist der nächste Kirchentag in einer ähnlichen Form geplant. Zweitens: die Kräfte der Tierschützer und Tierrechtler in und rund um Dortmund müssen im Kampf gegen die industrielle Massentierhaltung endlich gebündelt werden und eine gemeinsame Strategie entworfen werden. Die Gemeinde will vor Ort dazu in den nächsten Jahren ihren Beitrag leisten. Eugen Drewermann gab mit einem leidenschaftlichen Appell dazu in seinem Vortrag den entscheidenden Anstoß. Der Kirchentag war in seiner Vorbereitungsphase selbst ein Beispiel dafür geworden, wie schwierig es mittlerweile ist, die unterschiedlichen Gruppen an einen Tisch zu bekommen, um endlich gemeinsam gegen die skandalösen lebensverachtenden Tierhaltungsformen unseres Landes geschlossen anzugehen. Vielleicht schafft es ausgerechnet die Kirche, die in der Vergangenheit hier auch nicht gerade ein Ruhmesblatt aufzuweisen hat, in Zukunft die verfahrenen Strukturen zu überwinden und dem Widerstand gegen Massentierhaltung eine neue geschlossene Kraft zu verleihen. Zu wünschen wäre es allzumal.